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    Winterdepressionen: Wann wird der Winter-Blues zur Gefahr?

    Graut es Dir regelmäßig vor der Winterzeit? Denkst Du schon im Sommer mit Schrecken an die kurzen Tage, wenn sich das Grau des Himmels in Deiner Stimmung verankert? Gedrückte Stimmung durch den Winter-Blues kennen die meisten Menschen. Doch wann verschlimmert sich der Blues so sehr, dass er als Winterdepression gilt? Diese Art der Depression, auch SAD (saisonal abhängige Depression) genannt, kann zur Gefahr werden – wenn sie unerkannt bleibt und das Selbstmordrisiko in die Höhe treibt. Informiere Dich!

    Kurzfassung

    Im Winter leiden viele Menschen unter gedrückter Stimmung. Diese leichte Form der Stimmungsschwankungen nennt man auch Winterblues. Der Übergang zur Winterdepression ist fließend, sollte aber dennoch nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Eine Winterdepression, die Du u.a. an Symptomen wie verstärkter Tagesmüdigkeit, Gereiztheit und/oder Lustlosigkeit, Schlafstörungen, Heißhunger etc. erkennen kannst, ist bereits als Krankheit anzusehen. Deshalb solltest Du dich nicht scheuen, professionelle Hilfe anzunehmen. 


    Eine besonders einfache Form der Therapie, noch besser als Vorbeugung, ist die regelmäßige Anwendung einer Tageslichtlampe, um den Mangel an Tageslicht im Herbst und Winter auszugleichen. Der Lichtmangel ist eine wesentliche Ursache der Winterdepression. Denn durch den Lichtmangel kommt es zu einer Anhäufung von Melatonin (was zu verstärkter Müdigkeit führt) sowie zu einem Mangel des Glückshormons Serotonin.

    Depression als Krankheit

    Die Symptome einer Winterdepression sollten unbedingt ernst genommen werden. Wie die echte Depression ist auch die Winterdepression behandlungsdürftig.

    Jeder Mensch fühlt sich ab und zu niedergeschlagen. Das gehört zum Leben dazu und ist noch lange kein Grund, Alarm zu schlagen. In der Umgangssprache verwenden wir dafür gerne den Begriff Depression. Doch die Krankheit Depression ist weit mehr als ein Stimmungstief. Eine krankhafte Depression beeinflusst das Leben der Betroffenen tiefgreifend und überschattet das Denken, Handeln und Fühlen. Gefühle von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit können dazu führen, dass depressive Menschen den Alltag kaum noch bewältigen können.

    Tödliche Gefahr: Selbstmord


    Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation[1]https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/depression leiden weltweit über 300 Millionen Menschen an Depressionen. Diese Krankheit wirkt sich ähnlich wie chronischer Stress auf den Körper aus und begünstigt das Entstehen zahlreicher Krankheiten, unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen[2]Musselman DL, Evans DL, Nemeroff CB. The Relationship of Depression to Cardiovascular Disease: Epidemiology, Biology, and Treatment. Arch Gen Psychiatry. 1998;55(7):580–592. doi:10.1001/archpsyc.55.7.580 und Diabetes[3]Ciechanowski PS, Katon WJ, Russo JE. Depression and Diabetes: Impact of Depressive Symptoms on Adherence, Function, and Costs. Arch Intern Med. 2000;160(21):3278–3285. doi:10.1001/archinte.160.21.3278. Im schwersten Fall führt Depression zum Selbstmord. Jährlich sterben weltweit rund 800.000 Menschen durch Selbstmord. Obwohl Depression mit verschiedenen Therapien gut behandelt werden kann, bleibt schätzungsweise jeder zweite Betroffene ohne ärztliche Betreuung. Der Grund: Oft unterschätzen Ärzte die Schwere der Symptome. Außerdem fühlen sich viele depressive Menschen schuldig und verantwortlich für ihre Misere und zögern deshalb, ärztliche Hilfe zu suchen.

    Winterdepression oder richtige Depression


    Der Zeitpunkt der Depression gibt Dir in der Regel Aufschluss darüber, ob Winterdepression als Diagnose in Frage kommt. Winterdepression tritt zwischen Herbst und Frühjahr auf. Meist beginnen die Symptome im Oktober und verstärken sich im November und im Dezember. Im März dagegen verspüren Patienten eine Besserung. Bis zum Mai ist die Depression normalerweise komplett verflogen.

    Was ist Winterdepression?


    Herbst (Winterdepression)

    Im Herbst, wenn die Tage kürzer und trüber werden, können sich schon erste Anzeichen der Winterdepression zeigen.

    Während die Ursachen von Depressionen vielfältig sein können, gilt ein Mangel an Tageslicht als Hauptgrund für die Winterdepression. Obwohl die Auswirkung von Sonnenlicht auf unser Gemüt seit der Antike bekannt ist, gibt es das offizielle Krankheitsbild Winterdepression erst seit rund 20 Jahren. Mehrere ICD-Schlüssel treffen auf diese Krankheit zu. Die WHO erstellt die ICD(International Classification of Diseases)-Codes, um Diagnosen zu klassifizieren. Winterdepression fällt in die Gruppe F30 bis F39 der affektiven Störungen (F30 bis F39), wobei hauptsächlich die Gruppen F33 (rezidivierende depressive Störung), F34 (anhaltende affektive Störungen) und F39 (nicht näher bezeichnete affektive Störung) relevant sind.

    Winterdepression und Schlaflosigkeit


    Der US-amerikanische Psychiater Norman Rosenthal beschrieb diese Krankheit zum ersten Mal im Jahr 1984. Grund für seine Forschungsarbeit und die darauf basierende Definition war seine eigene Winterdepression. Gemeinsam mit Kollegen erkannte er, dass sich viele Symptome allgemeiner Depression in der typischen Winterdepression widerspiegeln. Allerdings gibt es einige Unterschiede: Während depressive Menschen normalerweise unter Schlafstörungen leiden, würden winterdepressive Patienten das Bett am liebsten gar nicht verlassen. Statt Appetitlosigkeit verspüren sie Heißhunger – vor allem auf kohlenhydratreiche Speisen wie Süßigkeiten.

    Häufigkeit: Männer seltener betroffen


    Häufigkeit der Depression

    Experten schätzen, dass rund neun Prozent aller Deutschen an Winterdepressionen leiden, wobei Frauen mit rund zwei Drittel aller Betroffenen weit anfälliger sind als Männer. Nach Informationen von Statistiken hängt die Häufigkeit der Winterdepression vom Breitengrad((https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1002/pnp.173)) ab. Bewohner der Mittelmeerländer sind kaum davon betroffen, während Skandinavier häufiger an diesen Depressionen leiden. Meistens macht sich die Krankheit um das 30. Lebensjahr herum bemerkbar. Im hohen Alter dagegen werden Winterdepressionen seltener.

    Ursachen für Winterdepressionen


    Wissenschaftlich belegt ist die Tatsache, dass Lichtmangel[4]Melrose S. (2015). Seasonal Affective Disorder: An Overview of Assessment and Treatment Approaches. Depression research and treatment, 2015, 178564. als Hauptgrund für Winterdepression in Frage kommt. Wenn die Nächte länger und die Tage kürzer werden, bringt das bei empfindlichen Menschen die zirkadianen Rhythmik aus dem Gleichgewicht. Der Körper schüttet das Schlafhormon Melatonin verspätet aus und hört morgens nicht damit auf – wenn das kurzwellige Tageslicht die Melatonin-Herstellung normalerweise bremst. 

    Zuviel Melatonin im Blut


    Lichtempfindliche Zellen[5]David M. Berson, Felice A. Dunn, Motoharu Takao. Phototransduction by Retinal Ganglion Cells That Set the Circadian Clock. Department of Neuroscience, Brown University, Providence, RI, 02912 USA. Science 08 Feb 2002: Vol. 295, Issue 5557, pp. 1070-1073. DOI: 10.1126/science.1067262 auf der Netzhaut melden die Intensität des Lichts an das Gehirn weiter, genauer: an die Zirbeldrüse. Sie reagiert auf einen Mangel an Licht mit der Ausschüttung von Melatonin. Dieses Hormon wirkt als Botenstoff und signalisiert den Nervenzellen, dass Schlaf angesagt ist.  Es macht müde und wirkt beruhigend. Im Übermaß drückt es die Stimmung. Wissenschaftler vermuten, dass bei Patienten mit Winterdepression der Informationsfluss von den Sehzellen zur Zirbeldrüse gestört. Deshalb könnte der Lichtmangel das Gehirn noch stärker als normal zur Produktion des Schlafhormons anregen. 

    Serotonin und Melatonin

    Die Umwandlung von Melatonin in Serotonon findet in der Zirbeldrüse statt - aber nur wenn sie durch Tageslicht hierzu stimuliert wird.

    Körper vernichtet Serotonin


    Der Botenstoff Serotonin, auch Glückshormon genannt, ist von dem hohen Melatoninspiegel betroffen. Der Körper wandelt die Bestandteile von Serotonin in Melatonin um. Ein niedriger Seratoninspiegel in Kombination mit einer allzu kräftigen Portion Melatonin kann den Winter-Blues in eine schlimme Depression verwandeln. Diese biochemische Reaktion erklärt auch den Heißhunger auf Süßes, denn Zucker fördert die Serotonin-Produktion[6]Inam QU, Ikram H, Shireen E, Haleem DJ. Effects of sugar rich diet on brain serotonin, hyperphagia and anxiety in animal model of both genders. Pak J Pharm Sci. 2016 May;29(3):757-63. PubMed PMID: 27166525. im Gehirn. 

    Mangelnde Bewegung, Ernährung, Mangel an Vitamin D und genetische Einflüsse spielen als Ursachen ebenfalls eine Rolle. Wie stark sie zum Entstehen der Winterdepression beitragen, ist allerdings noch nicht geklärt.

    Schwierig: Diagnose der Winterdepression


    Arzt (Diagnose)

    Die Diagnose von (Winter-)Depressionen beschränkt sich auf die ausführliche Anamnese des Arztes. Es gibt also keine Bluttests, welche eine Depression sicher diagnostizieren könnten.

    Was unterscheidet Winter-Blues von Winterdepression? Die Grenzen verlaufen fließend und machen die exakte Diagnose von Winterdepression schwierig. Wann verwandelt sich negatives Grübeln in Hoffnungslosigkeit? Ab wann verändern sich wiederkehrende Angstzustände vor der Zukunft in Panikattacken? Beherrschen Zwangsgedanken Deinen inneren Dialog? Die Antworten auf diese Fragen kannst im Grunde nur Du selbst finden. Das Erkennen einer Winterdepression solltest Du deshalb nicht dem Arzt überlassen. Er ist mit der Diagnose häufig überfordert.

    Wichtig: Denkst Du im Winter häufig an Selbstmord? Falls Du diese Frage bejahst, solltest Du sofort einen Arzt aufsuchen.

    Winterdepression: Die Symptome


    Je genauer Du einem Arzt Deine Symptome beschreiben kannst, desto leichter fällt ihm die Diagnose und die anschließende Therapie, für die Krankenkassen aufkommen. Wir empfehlen Dir deshalb, Dir folgende Liste von Symptomen genau anzusehen. Es hilft, wenn Du Dir Notizen über eigene Erfahrungen machst, die Du dem Arzt präsentierst.

    Folgende Symptome sind typisch für Winterdepressionen:

    1. Gesteigerter Appetit auf einfache Kohlenhydrate (Stärke): Süßigkeiten, Weißmehlprodukte wie Nudeln, Brötchen und Brezeln, weißer Reis
    2. Großes Schlafbedürfnis
    3. Allgemeine Lustlosigkeit
    4. Mangel an Energie, Antriebslosigkeit
    5. Gereiztheit
    6. Stimmungsschwankungen
    7. Konzentrationsstörungen
    8. Vernachlässigung der körperlichen Bedürfnisse
    9. Rückzug von sozialen Kontakten

    Winterdepressionen: Test für Zuhause


    Mit dem folgenden Test kannst Du erkennen, ob Du Deinen Winter-Blues vielleicht als Winterdepression einstufen solltest.

    Checkliste zum Test auf Winterdepression
    1. Denkst Du bereits im Sommer mit Schrecken an den bevorstehenden Winter?
    2. Fühlst Du dich abgeschlagen und antriebslos, sobald der Herbst kommt?
    3. Nimmst Du im Herbst und Winter regelmäßig zu?
    4. Kannst Du im Winter nicht auf Süßigkeiten verzichten?
    5. Schläfst Du im Winter mindestens eine Stunde pro Nacht länger als im Sommer?
    6. Bist Du trotz langem Schlaf tagsüber immer noch müde?
    7. Leidest Du an Attacken von Heißhunger in der kalten Jahreszeit?
    8. Fällt Dir die Arbeit schwerer, wenn die Tage kurz sind?
    9. Hast Du im Winter keine Lust, Deine Freunde zu treffen?
    10. Bist Du an kalten Tagen am liebsten allein?

    Wenn Du die meisten Fragen mit Ja beantwortest, leidest Du vermutlich an einer Winterdepression. Ein Fachausdruck dafür lautet rezidivierende depressive Störung. Das bedeutet, diese Depression kehrt immer wieder. In diesem Fall solltest Du unbedingt Deinen Arzt aufsuchen. Lass Dich dabei nicht abwimmeln: Falls er Deine Beschwerden nicht ernst nimmt, verlange die Überweisung an einen Spezialisten. Das kann ein Psychiater oder ein Nervenarzt sein.

    Wenn man Experten glauben darf, bleibt jeder zweite, an Depression erkrankte Deutsche ohne fachgerechte Behandlung: Denke an diese Zahl und bestehe darauf, dass Du eine ordentliche Therapie bekommst – von der Krankenkasse bezahlt. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Behandlungskosten, wenn eine Arzt oder ein kassenzugelassener Psychotherapeut die Depression als psychische Störung mit Krankheitswert einstuft.

    Winterdepressionen: was hilft?


    Hilfe annehmen bei Depressionen

    Es ist wichtig, rechtzeitig (professionelle) Hilfe anzunehmen.

    Depressionen behandeln und nachhaltig bekämpfen: Dieses Therapieziel kann auf viele verschiedene Arten erreicht werden. Leider zeigen sich die Krankenkassen bei der Kostenerstattung eher konservativ. Sie übernehmen die Kosten für Psychotherapie und Antidepressiva, während Du für alternative Therapie häufig selbst aufkommen musst.

    Winterdepressionen Lampe: es werde Licht


    Tageslichtlampe nicht nur gegen Winterdepressionen

    Lichttherapie[7]Parry, B. L., & Maurer, E. L. (2003). Light treatment of mood disorders. Dialogues in clinical neuroscience, 5(4), 353-65. mithilfe einer Tageslichtlampe gilt mittlerweise als die beste Behandlung von Winterdepressionen und ist auch als Therapie bei normalen Depressionen wirksam.​

    Lichttherapie ist heute medizinisch anerkannt. Leider hat sich das bei der Kostenerstattung der meisten Krankenkassen noch nicht bemerkbar gemacht. Nur wenige Krankenkassen ersetzen die Kosten für eine Tageslichtlampe oder Lichttherapie in der Arztpraxis, um Winterdepressionen zu bekämpfen.

    Eine Tageslichtlampe strahlt weißes Licht ohne UV-Strahlen aus. Für Lichttherapie sollte die Lampe mindestens eine Stärke von 10.000 Lux haben. Das entspricht in etwa der Lichtstärke eines Sommertags im Schatten. Zum Vergleich: Eine normale Zimmerbeleuchtung liefert Dir meist nur 400 Lux – ein schwacher Abklatsch. Falls zusätzlich noch Schlafstörungen vorliegen, empfiehlt sich zusätzlich ein Lichtwecker, um den Schlaf-Wach-Rhythmus, unsere innnere Uhr, zu verbessern.

    Soforthilfe mit Antidepressiva


    Besonders bei schweren Fällen von Winterdepression ist der Einsatz von Antidepressiva beliebt. In der Regel verschreiben Ärzte dabei Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI). Diese Medikamente blockieren Transportproteine für Serotonin. Deshalb bleibt das sogenannte Glückshormon länger im synaptischen Spalt. Das ist die Stelle zwischen Nervenzellen, über die Reize übertragen werden. Die Cochrane-Stiftung[8]https://www.cochrane.org/de/CD008591/antidepressiva-der-zweiten-generation-bei-winter-depression, ein globales Netzwerk von unabhängigen Wissenschaftlern und Ärzten, beurteilt den Einsatz von SSRI bei Winterdepressionen jedoch eher negativ. 

    Bunte Pillen (Antidepressiva)

    Nebenwirkungen von SSRI

    Wie alle Pillen, so haben auch diese Antidepressiva Nebenwirkungen. Sie sind zwar etwas schwächer ausgeprägt als bei anderen psychoaktiven Medikamenten, sind aber nicht zu unterschätzen. Neben Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Unruhe und Übelkeit können sich Verdauungsprobleme bemerkbar machen. Irreversible Sexualdysfunktionen treten selten auf. In den USA und in Großbritannien waren die Behörden vor erhöhter Selbstmordgefahr, wenn Kinder und Jugendliche diese Antidepressiva nehmen. Bei einer langfristigen Einnahme steigt das Risiko für Osteoporose.

    Naturheilkunde und Winterdepressionen


    Johanniskraut Naturheilkunde

    Johanniskraut ist ein pflanzliches Naturheilmittel, dessen antidepressive Wirkung gut belegt ist.

    Anhänger der westlichen Naturheilkunde sehen als Auslöser für Winterdepression in erster Linie gestörte Stoffwechselprozesse. Neben einem Übermaß an Stoffwechselschlacken gilt die Übersäuerung des Körpers als Hauptursache. Entsprechend dieser Lehre führt dies dazu, dass das Gewebe nicht mehr richtig durchblutet wird. Daher sammeln sich Stoffwechselprodukte an und es entsteht Sauerstoffmangel in den Zellen. Die chronische Müdigkeit und Erschöpfung begründen die Anhänger der Naturheilkunde mit der überlasteten Leber.

    Eine Heilfastenkur im Herbst mit anschließender Umstellung auf säurearme Kost ist die Therapie, die Naturheilkunde bei Winterdepression empfiehlt. Hilfreich wird auch eine Behandlung mit Sauerstoff angesehen sowie die Gabe von Arzneimitteln, die L-Tryptophan enthalten. Diese Aminosäure ist die Substanz, aus der der menschliche Körper Serotonin herstellt. Als begleitende Maßnahmen wird Yoga, Atemtherapie und Meditation empfohlen.

    Johanniskraut: Der Sonnenfänger


    Ein bewährtes pflanzliches Mittel gegen Depressionen ist Johanniskraut. Bereits Paracelsus setzte diese Pflanze im 16. Jahrhundert ein, um Störungen der Psyche und des Nervensystems zu heilen. Die stimmungsaufhellende Wirkung von Johanniskraut bei Depressionen ist wissenschaftlich gut belegt[9]https://nccih.nih.gov/health/stjohnswort/sjw-and-depression.htm#hed4. Allerdings gibt es auch bei Johanniskraut Nebenwirkungen. Dazu gehören allergische Hautreaktionen, Magen-Darm-Beschwerden und Müdigkeit sowie Unruhe. Außerdem kann die Einnahme von Johanniskraut zu zahlreichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten führen. Bevor Du dieses pflanzliche Mittel in Eigentherapie einnimmst, sprichst Du deshalb besser mit Deinem Arzt.

    Winterdepression: Was tun zur Vorbeugung?


    Winterdepression und Winter-Blues kannst Du mit zahlreichen Maßnahmen verhindern oder zumindest lindern. Däumchen drehen und passiv auf das Stimmungstief warten ist vermutlich die schlechteste aller Lösungen. Tatsächlich kannst Du einiges tun, um gedrückte Stimmung und sogar Selbstmordgedanken zu verscheuchen.

    Gesunde Ernährung


    Ein Mangel an Vitamin D und B-Vitaminen begünstigt Depressionen. Vitamin D bildet der Körper selbst, wenn Sonnenlicht, genauer UV-B-Strahlen, auf die Haut treffen. Mangel an Vitamin D scheint eine Ursache für Depressionen[10]Penckofer, S., Kouba, J., Byrn, M., & Estwing Ferrans, C. (2010). Vitamin D and depression: where is all the sunshine?. Issues in mental health nursing, 31(6), 385-93. zu sein. Ein Grund dafür könnte sein, dass Vitamin D unverzichtbar für die Synthese von Serotonin ist. Gute Versorgung mit Vitamin D kannst Du mit einem Flug in den Süden und ausgiebigem Sonnenbaden sicherstellen. Fraglich ist, ob Medikamente mit Vitamin D den gleichen Effekt haben. Eine Meta-Studie[11]Spedding S. (2014). Vitamin D and depression: a systematic review and meta-analysis comparing studies with and without biological flaws. Nutrients, 6(4), 1501-18. doi:10.3390/nu6041501 aus dem Jahr 2014 bezweifelt das. Lebensmittel mit viel Vitamin D versprechen dagegen eine bessere Wirkung. Neben fettem Fisch wie Hering, Lachs und Aal enthalten Eier, Käse, Pilze und Avocado eine ordentliche Portion dieses Vitamins.

    Gute Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse

    Frische Luft und Bewegung


    Frau im Freien (frische Luft)

    Nichts kann natürliches Tageslicht ersetzen. Bewegung an frischer Luft bei jedem Wetter ist ein gutes Rezept, um Depressionen vorzubeugen. Mummel Dich gut ein und geh nach draußen! Mit einer warmen Mütze, Handschuhen, bequemen, gefütterten Stiefeln und einem langen Parka mit Kapuze kannst Du selbst einem Schneesturm trotzen. Das ist Dir zu kalt? Dann geh ins Fitness-Studio! Regelmäßige Bewegung hilft bei Depressionen aller Art – erwiesenermaßen. Eine kürzlich veröffentlichte Meta-Studie[12]Felipe B. Schuch, Davy Vancampfort, Joseph Firth, Simon Rosenbaum, Philip B. Ward, Edson S. Silva, Mats Hallgren, Antonio Ponce De Leon, Andrea L. Dunn, Andrea C. Deslandes, Marcelo P. Fleck, Andre F. Carvalho, and Brendon Stubbs. Physical Activity and Incident Depression: A Meta-Analysis of Prospective Cohort Studies. American Journal of Psychiatry 2018 175:7, 631-648 hat 49 Einzelstudien mit über 266.000 Personen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Sport beugt auf jeden Fall Depressionen vor – unabhängig von Alter oder Herkunft.

    Farben, Musik und Düfte


    Farbenfrohe Dinge verbreiten Freude und hellen so die Stimmung auf. Gönne Dir ein neues Schmusekissen in leuchtenden Farben, einen schönen Blumenstrauß oder Vorhänge in sommerlichen Tönen. Auch Musik wirkt wahre Wunder auf die Stimmung. Belohne Dich mit neuen Liedern zum Mitsingen und Mittanzen. Auch Aromatherapie beeinflusst die Stimmung direkt und vor allem schnell. Der olfaktorische Nerv transportiert Reize von der Nase direkt ins Gehirn. Hole Dir ätherische Öle und experimentiere damit! Alles ist besser, als in Depression zu versinken.

    Lavendelblüten (Duft)

    Wärme: Sauna oder Solarium


    Sauna

    Wärme kann ebenfalls hilfreich sein, um im Winter das Wohlgefühl zu stärken. Mittlerweile untersuchen Wissenschaftler bereits, ob sich Depression mit Hitze[13]Janssen CW, Lowry CA, Mehl MR, Allen JJ, Kelly KL, Gartner DE, Medrano A, Begay TK, Rentscher K, White JJ, Fridman A, Roberts LJ, Robbins ML, Hanusch KU, Cole SP, Raison CL. Whole-Body Hyperthermia for the Treatment of Major Depressive Disorder: A Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry. 2016 Aug 1;73(8):789-95. doi: 10.1001/jamapsychiatry.2016.1031. Erratum in: JAMA Psychiatry. 2016 Aug 1;73(8):878. PubMed PMID: 27172277 behandeln lässt. Erste Resultate lassen hoffen. Fest steht, dass bereits 10 Minuten im Solarium genug sind, um den Körper richtig durchzuwärmen. Besonders wirksam ist das sogenannte Beauty Light, Licht im roten, langwelligen Bereich. Es fördert den Aufbau von Collagen in der Haut und wirkt Faltenbildung entgegen. Sauna dagegen stärkt das gesamte Immunsystem und beugt durch die Hitze ebenfalls Depressionen vor.

    Weitere Sofortmaßnahmen gegen Depressionen


    1. Dunkle Schokolade – besonders wirksam, wenn der Kakaoanteil über 70 Prozent beträgt.
    2. Ein heißes Bad – mische Deine Lieblingsdüfte ins Badesalz. Das Grundrezept: Zwei Tassen Meersalz, ein Esslöffel Kokos- oder Olivenöl, 15 Tropfen ätherisches Öl.
    3. Massage oder Schönheitsbehandlung – gönne Dir eine Auszeit und lasse Dich verwöhnen!
     Gutes Buch oder Kino – Ablenkung hilft oft, um aus einem Stimmungstief herauszuklettern.

    Quellen:   [ + ]

    1.https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/depression
    2.Musselman DL, Evans DL, Nemeroff CB. The Relationship of Depression to Cardiovascular Disease: Epidemiology, Biology, and Treatment. Arch Gen Psychiatry. 1998;55(7):580–592. doi:10.1001/archpsyc.55.7.580
    3.Ciechanowski PS, Katon WJ, Russo JE. Depression and Diabetes: Impact of Depressive Symptoms on Adherence, Function, and Costs. Arch Intern Med. 2000;160(21):3278–3285. doi:10.1001/archinte.160.21.3278
    4.Melrose S. (2015). Seasonal Affective Disorder: An Overview of Assessment and Treatment Approaches. Depression research and treatment, 2015, 178564.
    5.David M. Berson, Felice A. Dunn, Motoharu Takao. Phototransduction by Retinal Ganglion Cells That Set the Circadian Clock. Department of Neuroscience, Brown University, Providence, RI, 02912 USA. Science 08 Feb 2002: Vol. 295, Issue 5557, pp. 1070-1073. DOI: 10.1126/science.1067262
    6.Inam QU, Ikram H, Shireen E, Haleem DJ. Effects of sugar rich diet on brain serotonin, hyperphagia and anxiety in animal model of both genders. Pak J Pharm Sci. 2016 May;29(3):757-63. PubMed PMID: 27166525.
    7.Parry, B. L., & Maurer, E. L. (2003). Light treatment of mood disorders. Dialogues in clinical neuroscience, 5(4), 353-65.
    8.https://www.cochrane.org/de/CD008591/antidepressiva-der-zweiten-generation-bei-winter-depression
    9.https://nccih.nih.gov/health/stjohnswort/sjw-and-depression.htm#hed4
    10.Penckofer, S., Kouba, J., Byrn, M., & Estwing Ferrans, C. (2010). Vitamin D and depression: where is all the sunshine?. Issues in mental health nursing, 31(6), 385-93.
    11.Spedding S. (2014). Vitamin D and depression: a systematic review and meta-analysis comparing studies with and without biological flaws. Nutrients, 6(4), 1501-18. doi:10.3390/nu6041501
    12.Felipe B. Schuch, Davy Vancampfort, Joseph Firth, Simon Rosenbaum, Philip B. Ward, Edson S. Silva, Mats Hallgren, Antonio Ponce De Leon, Andrea L. Dunn, Andrea C. Deslandes, Marcelo P. Fleck, Andre F. Carvalho, and Brendon Stubbs. Physical Activity and Incident Depression: A Meta-Analysis of Prospective Cohort Studies. American Journal of Psychiatry 2018 175:7, 631-648
    13.Janssen CW, Lowry CA, Mehl MR, Allen JJ, Kelly KL, Gartner DE, Medrano A, Begay TK, Rentscher K, White JJ, Fridman A, Roberts LJ, Robbins ML, Hanusch KU, Cole SP, Raison CL. Whole-Body Hyperthermia for the Treatment of Major Depressive Disorder: A Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry. 2016 Aug 1;73(8):789-95. doi: 10.1001/jamapsychiatry.2016.1031. Erratum in: JAMA Psychiatry. 2016 Aug 1;73(8):878. PubMed PMID: 27172277